Gedenkstätte, Riehen
Bautyp: Umbau/Sanierung
Jahr: 1. Etappe 2010, 2.Etappe 2014
Bauherr: Gedänkstätte Riehen
Ort: Basel-Stadt, Schweiz
Fläche: BGF: 100m²
Fotos: Ruedi Walti
«Was geschehen ist, darf man nicht vergessen, um für die Zukunft gefeit zu sein» – Ignatz Bubis (1927-1999)
Während des Zweiten Weltkriegs bot die Schweiz insgesamt knapp 300'000 Schutzsuchenden Zuflucht. Von den rund 60'000 Zivilpersonen, die in der Schweiz aufgenommen wurden, waren etwas weniger als die Hälfte Juden. Als zahlenmässig grösste Gruppierung aller Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik setzt die Gedenkstätte für jüdische Flüchtlinge in Riehen einen Stein des Nichtvergessens.
Der Umbau des Gebäudes im Jahr 2010 und der spätere Anbau im Jahr 2014 bilden ein integrales Ensemble. Im Rahmen des Projekts wurden Materialien auf symbolische Weise wiederverwendet. So finden Gleise aus Auschwitz in der Skulptur «Rail Menora» des Künstlers Rick Wienecke, die in Form einer Menora geschweisst wurde, einen neuen Ausdruck. Die Skulptur wird durch einen kreuzförmig angelegten Weg über Wasser mit dem Gebäudeensemble verbunden. Der Hof wird durch eine Einfriedung gefasst, die an einen Friedhof erinnert. Die danebenliegenden Bahngleise erinnern an die Deportationen. Durch die Interventionen erhält der Raum eine starke Symbolik und Gesamtwirkung und wird zu einem Ort der Hoffnung.
Die Raumerweiterung von 2014 wurde als Leichtbau mit vorfabrizierten Holzdeckenelementen, Sichtbetonwänden und grossen rahmenlosen Glasflächen realisiert. In der Strassenansicht schafft sie eine Fuge zwischen den bestehenden Gebäuden. Die vertikalen Metalllamellen dienen als Filter zum Strassenraum. Sowohl der Innen- als auch der Aussenraum sind multifunktional konzipiert und bieten Möglichkeiten für die vielfältigen Aktivitäten der Gedenkstätte. Dabei wurde die Erweiterung auf unterschiedlichen Niveaus mit einem überhohen Raum und Galerie erstellt, wodurch eine Verbindung zwischen dem Bestandesbau und dem Aussenraum geschaffen wurde.
Als erste Gedenkstätte zur Schoah in der Schweiz verzeichnete der Ort innerhalb von 15 Jahren über 60'000 Besucher. Ihr Gründer Johannes Czwalina sagt selbst über das Projekt: «Die Gedenkstätte möchte Mut, aber auch Feigheit, Denunziation und Unterlassung der damaligen Akteure transparent machen.» Das Projekt konnte dank der Unterstützung des Stifters Hansruedi Geigy realisiert werden.